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Jetzt muss die Härtefallkommission entscheiden

Flüchtling Ismail: Telefonaktion und gute Nachrichten

Erfolg im Fall Ismail Afzali? Vorerst darf der 20-Jährige bleiben. Und wie ist die Telefonterror-Aktion im Ausländeramt gelaufen? Bei unserem ersten Anruf war die Leitung belegt.

veröffentlicht von Laura Lugbauer am 11.05.2011 15:03 Uhr im Ressort Politik

Gleich darauf ist aber ein Mitarbeiter erreichbar. Ja, es waren schon ziemlich viele Anrufe bisher, vielleicht 30, sagt er und hört sich richtig gut gelaunt an. Dann verweist er uns aber für offizielle Auskünfte aber doch lieber an das OB-Büro. "Bis 12 Uhr sind etwa 50 Anrufe eingegangen", informiert Rathaussprecher Herbert Zillinger. Die Hälfte hat wortlos gleich wieder aufgelegt. "Etwa genausoviele Bürger haben ihre Unterstützung für Herrn Afzali zum Ausdruck gebracht und sich informiert", sagt Zillinger. Viele seien erstaunt gewesen, dass die Entscheidung gar nicht in Passau getroffen wird, sondern in München. "Da bestand offenbar Aufklärungsbedarf"", so Zillinger. Erfreulich sei gewesen, dass die Anrufer ausnahmlos freundlich mit den Beamten umgegangen seien und die Gespräche auf einer sachlichen Ebene geführt wurden. Etwa 50 E-Mails und zwei Faxe sind außerdem bis MIttag eingegangen. "Es gab weder Stillstand noch Chaos", resümiert Zillinger.


Gute Aussichten: Ismail darf wahrscheinlich in Passau bleiben.

Die Idee zu der Aktion hatte die Passauer Studentin Margret Köhler. Sie ist selbst erst zum "Passauer Bündnis für die Rechte der Flüchtlinge" gekommen, nachdem sie vom Fall Ismail erfahren hat, erzählt sie im Gespräch mit lokalnews.de."Das hat mich echt erschreckt und wachgerüttelt", sagt sie. Bei den Demos ist ihr dann aufgefallen, dass eigentlich kaum Menschen von dieser Situation wisse. "Ich dachte mir, dass sowohl Facebook als auch die Möglichkeit einer Telefonaktion, bei der man nicht körperlich vor Ort sein muss, vielleicht eine gute Plattform sind, um seinen Protest konstruktiv zu zeigen und viele Menschen zu erreichen", erklärt Margret. Am Montagabend erstellte sie dann in Absprache mit dem Bündnis die Facebookveranstaltung - am nächsten Morgen gab es bereits über 100 Zusagen und weit über 1000 Einladungen, die von den Usern weitergeleitet worden waren. Innerhalb von 48 Stunden waren es allein auf Facebook schon etwa 200 Leute, die wiederum 2000 Freunde eingeladen hatten, mitzumachen.

Ausschießlich positive Reaktionen


"Den ganzen Tag über bekomme ich schon SMS von Leuten, die bei der Aktion von der Schule und Arbeit aus mitmachen und die ihren Kollegen davon erzählt haben, die jetzt nach den Nummern des Ausländeramts fragen. Negative Reaktionen habe ich erstaunlicherweise noch überhaupt nicht mitbekommen", sagt die Studentin.

Am frühen Nachmittag dann die erfreuliche Nachricht aus München: Einstimmig hat der Petitionsausschuss beschlossen, dass der Fall Ismail der Härtefallkommission vorgelegt wird. „Rein rechtlich sind uns die Hände gebunden“, erklärt der Landtagsabgeordnete Walter Taubeneder (CSU). „Allerdings wäre es eine besondere Härte, dass der 20-Jährige, der sich offensichtlich gut bei uns im Landkreis Passau integriert hat, in eine ungewisse und gefährliche Zukunft abgeschoben wird“, so der Politiker.


"Wir sagen Ja" - mit diesem Foto warb das Asylcafé für die Petition.

Ismail hatte sich bei seiner Einreise nach Deutschland mit einer gefälschten finnischen Identitätskarte ausgewiesen und die Anerkennung als Asylberechtigter beantragt. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. „Als volljähriger, alleinstehender Mann, der keine gesundheitlichen Einschränkungen hat, zählt Afzali zu der Personengruppe afghanischer Staatsangehöriger, die vorrangig zurückzuführen ist“, erklärt Taubeneder. „Auch wenn die geltende Rechtslage keine Bleiberecht für Afzali vorsieht bin ich der Meinung, dass dieser junge engagierte Mann, der so viele Fürsprecher in Passau findet, eine Zukunftschance in diesem Land braucht.“ Taubeneder hält es für „nicht tragbar und unmenschlich“, den jungen Mann nach Afghanistan, wo nach wie kriegsähnlicher Zustand herrscht, abzuschieben. Er ist zuversichtlich, sagt er aber, dass die Härtekommission positiv über das Bleiben von Ismail Afzali entscheiden wird.

Die Stimme erheben - für jemanden, den man nicht mal kennt


Auch sein Landtagskollege Eike Hallitzky (Grüne) sieht gut Chancen für Ismail. "Er wird sehr wahrscheinlich wohlwollend beurteilt werden und vor der Abschiebung ins afghanische Kriegsgebiet verschont bleiben", sagt Hallitzky. Er freue sich über "die kluge Entscheidung des Petitionsausschusses".

Darüber ist auch Magret vom Bündnis für die Rechte der Flüchtlinge froh. "Wir sind natürlich wahnsinnig glücklich, erstmal so weit gekommen zu sein und ich bin wahnsinnig froh über die vielen Leute, die mitgemacht haben, den starken Zusammenhalt und die Solidarität - den Mut, für jemanden die Stimme zu heben, den man nicht mal richtig kennt. Man behauptet ja immer, die Jugend von heute sei so furchtbar unpolitisch. Wir haben innerhalb von kaum 24 Stunden weit über 2000 Leute über einen politischen Protest informieren und viele davon für die Sache gewinnen können. Das ist doch nicht Politikverdrossenheit!"

Weiterführende Links zum Thema:
- Interessant ist auch dieser Artikel über einen gut integrierten Flüchtling

Fotos: Asylcafé Passau


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Walter Taubeneder , Facebook , lokalnews , CSU , Ismail Afzali , Eike Hallitzky

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