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... sondern Leidenschaft: Die Zündapp-Freunde Löwmühle

Warum ein Kult keine Mode ist

Man erhält sich damit ein Stück Jugend, sagt Hans Krümpel. Viel mehr, man holt sich ein Stück Jugend zurück, verbessert er sich. Hans Krümel ist einer der 23 Zündapp-Freunde in Passau.

veröffentlicht von Susanne Wax am 26.05.2011 14:39 Uhr im Ressort Vereine

Die Woidboyz machen es zurzeit vor: Auf kleinen Mofas durch die Lande tuckern, dabei ein Retro-Fahrgefühl erleben, jenseits von Luxus und Tempo, dafür voller Liebe zum kleinen Gefährt. Zündapp. Mehr als ein Überbleibsel früherer Motorenwerke, sagt Hans Krümpel: Eine Lebenseinstellung.

Und ein Kult, zurzeit absolute Mode, beklagt der 43-Jährige aus Salzweg: "Zündapp-Fahren ist irgendwie gerade in. Das nervt mich. Man merkt das dann daran, dass sich Vereine schnell wieder auflösen. Die Leute begeistern sich kurz, haben dann aber kein Interesse mehr." Bei ihm und den Kollegen der Zündapp-Freunde Löwmühle - sie sind nach ihrem Stammlokal, dem Schnitzelwirt in der Löwmühle benannt - ist es so gar keine Modeerscheinung. "Wir haben unsere Moferl schon mit 15 gehabt", sagt er. "Wir widmen den Zündapps unsere Freizeit."





"Der Mercedes unter den Mofas"

Mit 15 hat er es bekommen, das erste Mofa. "Mein Vater hat mir eine Zündapp gekauft. Das war das Größte." Mit seinem Zweirad fuhr er überall hin, sagt Hans Krümpel: in die Schule, in die Lehre, zum Weggehen. "In die Stadt runter oder nach Hundsdorf. Da sind vor der Disko an einem Abend 100 Mofas gestanden. 80 waren von Zündapp. 18 waren vom Japaner und zwei von Herkules." Heiß und innig liebte er seine Zündapp: "Zündapp, das war der Mercedes unter den Mofas." Dann kam die Volljährigkeit: "Dann war Autofahren wichtiger. Die Zündapp stand fortan im Keller."


Der Hingucker auf dem Oldtimer-Treffen

Zehn Jahre ist sie verstaubt. Dann packte Hans Krümpel die Melancholie: "Ich dachte mir: Dein altes Moferl könntest du wieder herrichten." Ein paar Freunde von ihm taten das Gleiche. Gemeinsam schraubte man, kaufte man Ersatzteile, machte man Ausfahrten. "Mit den paar km/h die Neuburger Straße in Passau hochtuckern, das muss man schon mögen", sagt Hans Krümpel. Ausschlaggebend, die Zündapp-Freunde zu gründen, war dann ein Oldtimertreffen in Passau im Jahr 2005. Da sind er und zwei Freunde mit den Zündapps hingefahren: "Die Leute sind dann nicht mehr um die alten Autos rumgestanden, sondern nur um unsere Mofas. Wir dachten uns: Das interessiert mehr Menschen als man meint. Da könnte man was machen." So gründeten sie die Zündapp-Freunde Löwmühle. Die Mitgliederzahl wuchs, momentan sind es 23 Liebhaber mit insgesamt über 100 Mofas: "Ein Mitglied hat ein richtiges Zündappmuseum", sagt Krümpel. Alle zwei Wochen ist samstags Stammtisch beim Schnitzelwirt.


Hans Krümpel selbst hat vier Fahrzeuge bei sich zu Hause, ein paar mehr noch in einer angemieteten Garage. Allen voran die KS 50, die ursprünglich orange war, erzählt er: "Ich hab sie in Schwarz-Gold umspritzen lassen. Wie die John-Player-Zigarettenschachteln früher, die hatten mal die gleiche Farbe." Dann die KS 80, die er einem Freund abgekauft hat. "600 Euro hat sie gekostet, 1.000 Euro an Neuteilen stecken drin." Und der Roller, Baujahr 1981, in Knallgelb. Er war mal metallicgün. Und gehört Hans Krümpels Frau. Noch nie ist sie damit gefahren. "Na, ich müsst's ihr lernen. Aber das ist so eine Zeitsache."


Nur noch 500 Exemplare. Und er hat eines davon.

Eine Rot-Schwarze KS 80, Baujahr 1984, hat er erst seit ein paar Wochen: "Die hab ich im Internet ersteigert und in Landsberg abgeholt. Das wird meine Herbst- und Winterarbeit." Einiges sei an dem Gefährt zu machen. Im Sommer, sagt er, da schraube er nicht viel rum. Doch ist sie ein langgehegter Traum von ihm, die Rot-Schwarze: "In der Kleinen Klingergasse war früher ein Motorradhändler, bei dem stand sie im Schaufenster. Wir haben uns da die Nasen an der Scheibe plattgedrückt."

Fast 5000 DM hätte sie damals gekostet. Heute gibt es nur noch 500 Stück, sagt Hans Krümpel. Und er hat eine von ihnen.

Ein unvorstellbarer Schatz für den 43-Jährigen. Leider, schüttelt er den Kopf, erkenne nicht jeder den Wert: "Immer mal wieder ziehen Mitglieder von uns irgendwo Zündapps aus dem Müll." Die Zündapp-Freunde kaufen ungeliebte Gefährte gerne ab, reparieren sie, tauschen Teile aus. Immer in dem Rahmen, den die Vereinskasse gerade hergibt, sagt Hans Krümpel: "Leider wird das Zeug ja immer teurer." Ein Blinker für 100 Euro, ein Plastikstück für 200 Euro. Ein neuer Tacho, eine funktionierende Klingel am Roller. Auf den Teilemärkten und Oldtimertreffen in der Region oft unbezahlbar. Das sei auch wieder so etwas mit dieser Modeerscheinung, sagt Hans Krümpel: "Weil Zündapp momentan in ist, treibt das die Preise in die Höhe."

Zum Glück könne man sich zumindest mit dem Handwerklichen dann selber helfen, erklärt er. Das unterscheide sie wieder, die "Banausen" und die wahren Zündapp-Liebhaber. Das Schrauben, das habe man früher eben einfach so gelernt, sagt Hans Krümpel: "Das wäre früher nicht gegangen: Einfach mit dem Mofa wegfahren und man kann reparaturtechnisch nix."


Kontakt

Wer den Zündapp-Freunden ein Gefährt überlassen möchte oder Fragen zu Reparatur und Teilemärkten hat schreibt Hans Krümpel eine E-Mail: hans-kruempel@t-online.de.

Zündapp-Treffen

Vier, fünf Mal im Jahr machen sich die Zündappfreunde Löwmühle zu Zündapptreffen auf. Selber haben sie schon zwei Mal eins in Salzweg veranstaltet, für 2012 ist es wieder geplant. Nächster Termin, den sie sich im Kalender vormerken, ist das

Treffen der Zündappfreunde "Roadrunners" Waldkirchen
am Samstag, 2. Juli, ab 14 Uhr am Sportplatz Böhmzwiesel
Das Programm:
Mopedweitwurf und ab 20 Uhr Livemusik

Fotos: Wax


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Führerschein , Neuburger Straße , Kleinen Klingergasse

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