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Paket abholen in Passau: Was sagen Bürger und die Post?

Schlepp' mich, wenn du kannst

Ein Paket abholen ist in Passau schwierig, sagen Bürger. Es gibt ausreichend Alternativen, sagt die Post. Beide Seiten stellen wir hier dar.

veröffentlicht von Susanne Wax am 02.02.2012 11:04 Uhr im Ressort Wirtschaft

Es kommt schon mal vor, dass ein Paket einiges an Gewicht hat, sagt Peter Fahrnholz. Er spricht dabei von Post, die den TV Passau erreichen soll. Die Geschäftsstelle in der Jahnstraße ist von Montag bis Mittwoch vormittags besetzt. Kommt ein Paket-Bote außerhalb dieser Zeiten, erwartet die TV-Mitarbeiter am nächsten Tag ein Zettel: Das Paket sei in der Postbank-Filiale im Nibelungencenter abzuholen. Das, sagt Fahrnholz, der Geschäftsführer von Passaus Turnverein ist, mache einem dann keine Freude. Sondern Mühe: Hinfahren, im Parkhaus parken, Schlange stehen und das Paket zurückschleppen - teilweise über mehrere Stockwerke ohne Aufzug. "Ein Paket abholen ist in Passau schwierig geworden", sagt der 73-Jährige.



Alle zwei Wochen ein Paket, jede Woche ein Einschreiben, so oft müsse jemand vom TV zur Paketausgabe im Nibelungen Center: "Es bleibt einem nur die Möglichkeit, ins Parkhaus zu fahren. Und nach 10 Uhr bekommt man da im unteren Bereich auch keinen Platz mehr." Ansonsten könne man das Auto in der Kurzparkzone entlang von Soda und Camera abstellen – "Aber da schnell hin und herhetzen?" – oder sich verbotswidrig vor die Volksbank oder an die Tanke stellen. "Und wie ich Passaus kommunale Verkehrsüberwachung kenne, bereut man das." Peter Fahrnholz sagt ganz klar, dass es früher besser war. Als man die Pakete noch in der Bahnhofstraße am damaligen Sitz der Post abholen konnte. "Da gab es eine Kurzparkzone direkt vorm Gebäude", sagt er.

Kapfer und OB: "Kundenunfreundlich, beschwerlich, zeitaufwändig"


Siegfried Kapfer, Freie-Wähler-Stadtrat, versucht immer mal wieder, bei der Stadt was zu diesem Thema in Bewegung zu setzen (wir berichteten vergangene Woche hier). Seine Anregung: Pakete sollen zum Großkundenschalter der Deutschen Post in der Grünaustraße gebracht werden. Das sei einfach zu erreichen, man könne parken und ohne Hektik sein Paket abholen. Aus dem Rathaus hat er nun eine Antwort, die ihn in seiner Ansicht bestätigt: "Ich stimme Ihnen zu, dass das derzeitige Abholsystem von nicht zustellbaren Sendungen der Deutschen Post AG hier in Passau für die Postkunden mehr als unbefriedigend ist", schreibt ihm OB Jürgen Dupper. Als "beschwerlich, zeitaufwändig und kundenunfreundlich" bezeichnet er die Regelung mit dem Nibelungen Center: "Sie wird deshalb von den Postkunden nicht akzeptiert."

Er habe sich schon wiederholt bei der Deutschen Post AG und dem Politikbeauftragten für Bayern, Hugo Scheuenpflug, für Alternativen stark gemacht, ebenfalls für den Standort in der Grünaustraße plädiert. "Eine Umsetzung sei aus wirtschaftlichen Gründen unter anderem wegen der Zusatzentschädigung für die Partneragenturen nicht möglich, so die Rückmeldung", schreibt Dupper. Das Abholsystem sei auf das Gesamtnetz der Post ausgelegt, es könne keine Sonderregelung für einzelne Städte geben. Der OB berichtet weiter von Pilotprojekten, mit denen die Post das Zustellungsverfahren kundenfreundlicher machen wolle. "Ich habe die Verwaltung darum gebeten, den Verfahrensstand abzufragen und den zuständigen Gremien des Stadtrats zur Kenntnis zu geben."

Das sagt die Post:

Den Großkundenschalter auch für Bürger zu öffnen, die einzelne Pakete abholen wollen, sei schwierig, sagt Deutsche-Post-Pressesprecher Erwin Nier: "Die Großkundenschalter sind von 15 bis 17 oder 18 Uhr geöffnet. Gezielt in diesen paar Stunden, damit Großkunden ihre Großladungen zügig abliefern können." Auch der normale Bürger würde wohl bevorzugt um diese Zeit kommen, sagt Nier: "Die meisten holen oder bringen ein Paket nach Feierabend. Wenn wir dann diese Rush Hour haben, kommt es zu einem zeitlichen Stau mit den Großkunden." Den Großkundenschalter durchgehend für jedermann zu öffnen sei nicht drin.

Zur Situation in Passau hat Nier sich bei den Kollegen vor Ort erkundigt. "Direkt am Schalter im Nibelungen Center gibt es selten eine Beschwerde. Nur hin und wieder beklagt sich jemand, dass er extra in die Stadt fahren muss, um sein Paket abzuholen", erklärt er. Doch sei die Post sich der schierigen Lage in Passaus Zentrum bewusst: "Es gibt dieses Problem auch in anderen Städten, speziell in solchen mit Altstadtkern." In manchen Orten finde man einen Konsens zusammen mit der Kommune, die mehr Kurzparkzonen rund um Post-Abholstellen einrichten. Nier sieht dieses Thema auch unabhängig von der Post: "Es ist immer ärgerlich, wenn man sich für Kleinstbesorgungen extra einen gebührenpflichtigen Parkplatz suchen muss."

Der Pressesprecher rät Bürgern, Packstationen zu nutzen. Davon gibt es drei im Stadtgebiet (siehe Auflistung unten). Bei vielen Bestellungen im Internet kann man angeben, dass man sein Paket an der Packstation abholen möchte. Auch die Lieferanten würden diese großen Paket-Kästen mit Einzelfächern in verschiedenen Größen gerne nutzen, sagt Erwin Nier: "Ein Zusteller kann nachschauen, wie viele Fächer in seinem Gebiet noch frei sind. Erreicht er jemanden zu Hause nicht, bucht er das Paket dort ein." Der Kunde findet dann im Briefkasten eine Nummer, die er an der Packstation eintippt, das Fach öffnet sich.

Die Anzahl von Packstationen in einer Stadt richtet sich nicht nach der Einwohnerzahl, sondern nach der Frequentierung, sagt Nier: "Vor allem in Städten mit vielen Single-Haushalten und in Studentenstädten sind sie der Renner." So auch in Passau: Ein Drittel aller Sendungen pro Woche geht an Packstationen. Dauerhaft sei nicht ausgeschlossen, dass es irgendwann eine Weitere im Stadtgebiet gibt, sagt Nier.

Den Abhol-Standort im Nibelungen Center nennt Nier "die ökologischste und ökonomischste Lösung". Nach dem Weggang von der Bahnhofstraße habe man sich für einen zentralen Benachrichtigungs-Standort entschieden: "So kann die Auslieferung wirtschaftlich betrieben werden. Wenn es auch Abholstationen in Filialen gibt, muss die Post dem Filialpartner ein Entgelt zahlen. Durch den An- und Abtransport an den vielen Stellen produziere ich außerdem zusätzliche Fahrten."



Post in Passau: Ein paar Zahlen und Adressen

Eine Paketbox gibt es an der Nikolastraße 2. Hier kann man vorfrankierte Pakete, Päckchen und Retouren rund um die Uhr verschicken. Platz haben darin Päcken bis zu einer Größe von 50 x 40 x 30 Zentimetern. Die Paketbox wird als "Briefkasten fürs Paket" bezeichnet.

Drei Packstationen gibt es im Stadtgebiet:
Bahnhofstraße 27 (ehemaliger Sitz der Post)
Alte Straße 63, Grubweg (vor Edeka Schwaiberger)
Holzmannstraße 52 (beim Real)

Zehn Verkaufspunkte sind über die Stadt verteilt:
Kastnergasse 1
Schmiedgasse 11
Bahnhofstraße 1
Oberhaus 125
Innstraße 29
Spitalhofstraße 51
Dr.-Fritz-Ebbert-Straße 1
Königsberger Straße 10
Holzmannstraße 52
Kohlbruck 5

Zehn Filialen hat die Post in Passau:
Große Messergasse 4
Nikolastraße 2
Wiener Straße 14
Glockenstraße 6
Alte Straße 63
Neuburger Straße104b
Spitalhofstraße 94
Neuburger Straße 128
Steinbachstraße 60-62
Alte Raiffeisenstraße 2-4

Foto: Rainer Sturm, pixelio.de


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